Erwerbsminderungsrente beantragen, Voraussetzungen, Höhe, Antrag

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Erwerbsminderungsrente

Erwerbsminderungsrente beantragen, Voraussetzungen, Höhe, Antrag
Erwerbsminderungsrente beantragen, Voraussetzungen, Höhe, Antrag

Personen haben dann einen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente, wenn es ihnen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, ihre volle Arbeitsleistung zu erbringen. Wer nicht länger als drei Stunden pro Tag seiner Arbeit nachgehen kann, bezieht die volle Erwerbsminderungsrente. Kann der Betroffene zwischen drei und sechs Stunden pro Tag arbeiten, erhält er eine teilweise Rente. Der Betroffene muss die Rente beantragen; dabei handelt es sich um eine befristete Rente, die verlängert werden kann. Die Erwerbsminderungsrente fällt in den Zuständigkeitsbereich der gesetzlichen Rentenversicherung. Hier lernen Sie mehr zu den Voraussetzungen, der Höhe und dem Antrag der Erwerbsminderungsrente.

Voraussetzungen

Eine schwere Erkrankung oder ein schwerer Unfall – Schicksalsschläge sorgen immer wieder dafür, dass der Betroffene nicht mehr seinem Beruf nachgehen kann. Es kommt zu Einkommenseinbußen; der Betroffene verliert mitunter nicht nur seinen Job, sondern findet auch keine neue Stelle. Im Notfall springt die Rentenversicherung ein. Seit dem 1. Januar 2001 gibt es die sogenannte Erwerbsminderungsrente. Um einen Anspruch auf diese Rente zu haben, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die maximale Arbeitsleistung liegt bei sechs Stunden/Tag
  • Der Betroffene hat mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt
  • Der Antragsteller war – bezugnehmend auf die letzten fünf Jahre vor der Erwerbsminderung – mindestens drei Jahre lang versichert; es muss kein zusammenhängender Zeitraum gegeben sein

Jahr 1961

Ist der Antragsteller vor dem Jahr 1961 geboren, genügt es, wenn der erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Wurde der Antragsteller aber nach dem Jahr 1961 geboren, erhält er die Erwerbsminderungsrente erst dann, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, tagtäglich länger als sechs Stunden einer Beschäftigung nachzugehen. Dabei spielt der Umstand, ob es sich um den erlernten Beruf handelt oder nicht, keine Rolle.

Volle, teilweise Erwerbsminderungsrente

Die volle Erwerbsminderungsrente wird erst dann zuerkannt, wenn es dem Antragsteller nicht mehr möglich ist, drei Stunden pro Tag zu arbeiten. Kann der Betroffene nicht länger als sechs Stunden einer Arbeit nachgehen, erhält er nur eine teilweise Auszahlung der Rente.

Wartezeit

Um einen Anspruch auf diese Rentenform zu haben, muss der Betroffene eine fünfjährige Wartezeit, in der Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden, abwarten. Zudem muss der Betroffene, um einen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente zu haben, in den letzten fünf Jahren – vor Eintritt der Erwerbsminderung – drei Jahre lang einen Versicherungsschutz gehabt haben; erst dann, wenn die Wartezeit erfüllt ist, besteht ein rechtmäßiger Anspruch. Zu den Wartezeiten zählen auch Phasen, in denen der Betroffene eine (oder mehrere) Leistungen erhalten hat:

  • Krankengeld
  • Arbeitslosengeld
  • Arbeitslosengeld II
  • Übergangsgeld
  • Zeiten aus Rentensplitting

Zudem werden auch Zeiten der nichterwerbsmäßigen häuslichen Pflege, der Kindererziehung und freiwillige Beitragszeiten hinzugerechnet.

Für Berufsanfänger besteht zudem ein Zusatzschutz; unter bestimmten Voraussetzungen gilt daher keine fünfjährige Wartezeit, sodass ein einzelner Beitrag in die Rentenversicherung genügt, um einen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente zu haben.

Höhe

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente berechnet sich aus den Versicherungsjahren und den Entgeltpunkten. Im Regelfall liegt die Rente rund ein Drittel unter dem zuletzt verdienten Bruttogehalt. Folgt man den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, beträgt die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente 719 Euro/Monat. Hat der Antragsteller aber nur einen Anspruch auf eine teilweise Rente, halbiert sich der Betrag auf durchschnittlich 360 Euro/Monat.

Antragstellung und Unterlagen

Möchte der Betroffene einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen, muss er der Rentenversicherung zahlreiche Unterlagen zukommen lassen:

    • Namen und auch Anschriften der behandelnden Ärzte
    • Krankenhaus- und/oder Reha-Aufenthalte der letzten Jahre
  • Beschreibung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen
  • Chronologische Aufstellung der bisherigen Beschäftigungen (inklusive Lohn- oder Gehaltsgruppe)

Die Deutsche Rentenversicherung bietet jedoch – im Rahmen der kostenfreien Beratungsstellen – Hilfe beim Ausfüllen der Formulare an. Auch beim Versicherungsamt der Gemeinde gibt es die Möglichkeit, Hilfe zu erhalten, wenn mitunter Schwierigkeiten oder Fragen aufgetreten sind.

Ablehnung

Doch nicht jeder, der einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellt, bekommt diese in weiterer Folge auch zugesprochen. Rund 50 Prozent aller Antragsteller werden abgelehnt. Der Ablehnungsbescheid muss aber nicht akzeptiert werden; der Betroffene hat das Recht, dass er Widerspruch einlegt (die Frist beträgt einen Monat).

Der Widerspruch sollte per Einschreiben verschickt werden; mitunter kann der Widerspruch auch direkt bei der Beratungs- oder Auskunftsstelle der Rentenversicherung vorgebracht werden. Führt das Widerspruchsverfahren aber nicht zum Erfolg, kann der Betroffene auch Klage vor dem zuständigen Sozialgericht einbringen. Das Verfahren ist kostenlos. Ratsam ist hingegen die rechtsfreundliche Vertretung durch einen spezialisierten Anwalt für Sozialrecht. Die Anwaltskosten muss der Betroffene, sofern er den Prozess verliert, jedoch aus der eigenen Tasche bezahlen.

Selbstständige

Da Selbstständige keiner Versicherungspflicht in der Rentenversicherung unterliegen, besteht auch kein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente. Aus diesem Grund ist es ratsam, dass Freiberufler oder selbstständige Gewerbetreibende eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Mitunter können Selbstständige aber auch in die gesetzliche Versicherung einbezahlen; es handelt sich dabei aber um freiwillige Zahlungen. Der Nachteil ist, dass der Selbstständige keinen Arbeitgeberzuschuss erhält und somit den vollen Beitrag leisten muss.

Da viele Selbstständige einen derart hohen Beitrag aber nicht aufbringen können oder wollen, gibt es den niedrigeren Regelbeitrag. Durch den Regelbeitrag erhalten die Selbstständigen Anspruch auf Rente in Höhe eines deutschen Durchschnittsverdieners. Damit der Selbstständige – auf Grundlage einer freiwilligen Bezahlung der Beiträge – einen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente hat, muss er in weiterer Folge dieselben Voraussetzungen wie die Pflichtversichertern erfüllen.

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